Der eine oder andere fragt sich sicher zwischenzeitlich: Ja wie läuft's denn nun eigentlich mit der Umstellung auf Barhuf?! Ganz ehrlich, das ist eine gute Frage. Und immer wenn man diesen Satz hört, weiß man ja eigentlich schon, dass die Beantwortung nicht ganz einfach zu sein scheint...
Also zunächst einmal vorweg genommen: Dass es der Dokumentation unseres "Umstellungsabenteuers" etwas an Kontinuität mangelt, hat rein gar nichts damit zu tun, dass es womöglich nicht so gut funktioniert, wie wir uns das erhofft hatten. Viel eher stellen wir fest, dass uns die spektakulären Ereignisse fehlen, mit denen es sich lohnen würde, ein Webtagebuch zu füllen! Und das wiederum erstaunt uns insgeheim vielleicht selbst ein kleines bisschen... Aber wie sagte schon Peter Bamm, ein deutscher Schriftsteller:
"Optimisten haben gar keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die Pessimisten erleben." ;-)
Spaß beiseite. Was seit der Eisenabnahme, oder vielleicht genauer seit Rainers Teilnahme am Barhufpflege-Seminar in Freiamt passiert ist, ist relativ schnell berichtet: Rainer hat zwischenzeitlich zweimal die Hufe genau nach Vorgabe von
Arnulf und Lioba Jung bearbeitet. Nicht invasiv - sondern sehr zurückhaltend. Das lose Hornmaterial an Sohle und Strahl hat er vorsichtig entfernt und die Hufe mit einer sogenannten "Mustang Roll" ausgestattet. Dabei wurden auch leicht "ausgefranste" Stellen wieder gleichmäßig gefeilt. Prinzipiell hat er dabei bislang nichts entfernt, was der Huf nicht bei stärkerem Abrieb selbst losgeworden wäre (das merkt man nämlich deutlich an der Konsistenz, also einer eher "losen" Beschaffenheit des Horns).
Grundsätzlich geht man nämlich von der Annahme aus, dass das Pferd den für sich perfekten Huf mit der Zeit "nachwachsen" lassen wird. In freier Wildbahn wäre hierfür überhaupt keine menschliche Unterstützung nötig. Die viele Bewegung innerhalb der Herde (20-30 km pro Tag!) würde für genügend Abrieb und Abhärtung der Hufe sorgen. In unseren Breiten ist es uns aber leider nicht möglich, unseren Pferden derart natürliche Lebensräume zu bieten. Deshalb braucht es in Sachen Abrieb unsere Unterstützung.
Da unsere beiden bislang keine gravierenden Probleme oder stark deformierte Hufe hatten - und da haben wir sicher sehr viel Glück gehabt! - konzentriert sich die Bearbeitung allem voran darauf, die Hufe regelmäßig zu pflegen, und zwar schon bevor Schäden entstehen. Und das ist auch für den Pferdebesitzer selbst nicht allzu schwierig zu lernen... Jetzt fragst du dich aber sicher: Ja und das soll immer so einfach gehen? Nein, auch klar. Es gibt bei weitem komplizierte Fälle als Sörli und Snotri. Wenn ein Pferd bereits lahmt, schont oder sonstige Auffälligkeiten zeigt, Sehnenprobleme bestehen, wenn Hufe richtig deformiert sind - und glaube mir, da gibt's ganz gräuslige Bilder... Und natürlich Hufrehe Pferde und auch diejenigen, die einen "Spezialbeschlag brauchen" etc... Also bei all diesen Fällen muss auf jeden Fall ein professioneller Hufpfleger her. Aber das sagt einem ja der gesunde Besitzerverstand sowieso schon, oder?
Jetzt aber wieder zurück zum Bericht:
Sehr viel hat sich also auch optisch seit der Aufnahme der letzten Hufbilder nicht getan. Aber sobald es unsere Zeit erlaubt, werden wir neue Bilder machen. Insgesamt sehen alle 8 Hufe sehr harmonisch aus. Keine Fransen, Löcher, Spalten, Risse... noch nicht einmal an den alten Nagellöchern, wo man in den nächsten Wochen am ehesten ein Ausbrechen erwarten kann. Bemerkenswert ist auch, dass sich die Sohle bereits deutlich gehärtet hat. Das hört man sogar, wenn man auf Asphalt unterwegs ist. Anfangs war es eher ein "Hufschleichen", das langsam aber sicher wieder zum "Hufschlag" wird. ;-) Auch der Strahl hat sich, vor allem bei Sörli, schon sichtbar verändert und ist breiter geworden.
Im Auslauf und auf der Weide ist keinerlei Fühligkeit festzustellen, auch nicht auf dem knochenhart vereisten Boden der vergangenen Wochen. Beim Spazierengehen sind alle beide ebenfalls aufgeweckt, locker und scheinen regelrecht begeistert vom neuen Laufgefühl zu sein. Sie sind schon sehr viel trittsicherer - besonders Sörli, der früher am laufenden Band ausrutschte oder stolperte. Von Zeit zu Zeit kann man noch merken, dass extreme Bodenbeläge (beispielsweise sehr grobe Kieselsteine) vorsichtig und etwas fühlig passiert werden. Besonders toll ist aber, dass sie eine Veränderung der Bodenbeschaffenheit tatsächlich sofort zu "ertasten" scheinen. Gerade jetzt, wo noch stellenweise Glatteis zu finden ist, geht sofort die Nase zum Boden, um nachzusehen, was da unter den Hufen los ist.
Na sowas... jetzt ist doch mehr daraus geworden, als zunächst vermutet. Aber warten wir noch ein wenig ab... Fortsetzung folgt bestimmt!